Coffein – der Turbo in der Kopfschmerztherapie

Wer bei Coffein automatisch an Kaffee denkt, liegt richtig – und auch wieder falsch. Denn der stimulierende Stoff steckt nicht nur in wesentlich mehr Nahrungs- und Genussmitteln als dem morgendlichen Wachmacher, sondern ist auch als Arzneimittelwirkstoff von großer Bedeutung: Coffein ist die weltweit am häufigsten konsumierte pharmakologisch aktive Substanz und immer wieder im Fokus der Forschung. Doch was macht Coffein so interessant?

Vor allem die Tatsache, dass es die Wirkung von Schmerzmitteln verstärken kann. Und das gilt insbesondere im Bereich Kopfschmerzen, unter denen laut einer Umfrage (1) der Deutsche Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG) viele Deutsche leiden. Insgesamt 40,2 Prozent der Befragten gaben an, in den letzten sechs Monaten unter Kopfschmerzen gelitten zu haben. Die Mehrzahl der Betroffenen erlebt im Mittel ein bis drei Kopfschmerztage pro Monat – Männer weniger als Frauen. Um schnell wieder schmerzfrei zu werden, setzen viele auf rezeptfreie Analgetika. Zu den Medikamenten mit klinisch belegter Wirksamkeit bei Kopfschmerzen gehören auch coffeinhaltige Schmerzmittel z. B. mit ASS, Paracetamol und Ibuprofen. Und die punkten mit einer deutlich besseren Wirksamkeit als ihre entsprechenden Einzelwirkstoffe,(2, 3)  bei guter Verträglichkeit und überzeugender Sicherheit. Verantwortlich dafür ist der wirkverstärkende und -beschleunigende Effekt, den Coffein auf Analgetika hat. (4)

Schmerzmittel mit Coffein helfen schneller

Wie sich gezeigt hat, wirken Coffein-Schmerzmittel-Kombinationen mit Acetylsalicylsäure (ASS) und Paracetamol 15 Minuten schneller als ihre Einzelwirkstoffe ASS und Paracetamol. (2) Coffein beschleunigt die Schmerzmittelwirkung, indem es Rezeptoren in der Schmerzkaskade blockiert. (5)  Außerdem sorgt es dafür, dass Schmerzmittelwirkstoffe unter Alltagsbedingungen – das heißt: auf nicht-nüchternen Magen – schneller aufgenommen werden (6) und schafft damit die Voraussetzung für einen schnellen Wirkeintritt. Dieser wirkbeschleunigende Effekt von Coffein zeigt sich jetzt auch für Ibuprofen. Bereits 15 Minuten nach der Einnahme ist die Kombination aus Coffein und Ibuprofen ihrem Einzelwirkstoff Ibuprofen deutlich überlegen. (3)

Coffein verstärkt die Wirkung von Schmerzmitteln

Darüber hinaus verstärkt Coffein die Wirkung von Schmerzmitteln wie Acetylsalicylsäure (2), Paracetamol (2) und Ibuprofen. (7)  So lässt sich durch den Zusatz von 100 mg medizinischem Coffein zu einem Analgetikum ein zusätzlicher schmerzlindernder Effekt erreichen, (4) der annähernd einer Verdopplung der Schmerzmitteldosis entspricht. (8)  Auch für Ibuprofen ist diese Wirkverstärkung nun belegt: Durch den Zusatz von 100 mg Coffein zu 400 mg Ibuprofen ist diese Kombination ihrem Einzelwirkstoff Ibuprofen hinsichtlich der Schmerzlinderung um 40 Prozent überlegen – der Unterschied ist bereits nach 15 Minuten signifikant, bei vergleichbar guter Verträglichkeit. (3)

Doch Coffein kann noch viel mehr ...

Coffein verbessert das Teamwork

Coffein verbessert das Teamwork

Vor einer wichtigen Besprechung erst einmal zusammen einen Kaffee zu trinken macht nicht nur wacher und hebt die Stimmung. Auch die Teamarbeit wird – selbst bei konfliktträchtigen Themen – konstruktiver und die Beiträge der Teilnehmer relevanter, so das Ergebnis einer US-amerikanischen Untersuchung. Die positiven Effekte ließen sich allerdings nur nach dem Genuss von coffeinhaltigem Kaffee feststellen, weshalb sie dem Coffein zugeschrieben werden können.

Quelle: Unnava V et al. Coffee with co-workers: role of caffeine on evaluations of the self and others in group settings. J Psychopharmacol, 2018; 32(8), 943–948
Foto: © ivanko80 – fotolia.com

Coffein hilft bei der Parkinson-Diagnose

Coffein hilft bei der Parkinson-Diagnose

Dass Coffein einen nervenschützenden Effekt hat und damit dem parkinsontypischen Niedergang der Gehirnzellen entgegenwirkt, haben frühere Untersuchungen bereits gezeigt. Neu ist die Erkenntnis, dass der Coffeinspiegel im Blut auch Auskunft darüber geben kann, ob jemand an Parkinson erkrankt ist. Wie eine Studie jetzt nachweisen konnte, finden sich bei Parkinsonpatienten – und hier besonders in frühen Krankheitsstadien – deutlich niedrigere Werte von Coffein und seinen Stoffwechselprodukten im Blutserum als bei Gesunden. Damit eignet sich Coffein als Biomarker zur frühen Diagnose von Morbus Parkinson.

Quelle: Fujimaki M et al. Serum caffeine and metabolites are reliable biomarkers of early Parkinson disease. Neurology 2018, 90(5): e404–e411
Foto: Pierre Olivier / Capa Pictures

Coffein erhöht die Muskelkraft

Coffein erhöht die Muskelkraft

Viele Sportler vertrauen darauf, dass Coffein ihren Muskeln einen zusätzlichen Kraft- und Leistungskick gibt. Aber stimmt das wirklich? Da bisherige Studien keine eindeutigen Ergebnisse erbringen konnten, hat sich eine Metaanalyse dieser Fragestellung angenommen. Dafür wurden die Ergebnisse von 20 Untersuchungen ausgewertet. Es zeigten sich leichte bis mittlere leistungssteigernde Effekte durch das Coffein. Dabei überraschte die Feststellung, dass die Kraft im Oberkörper deutlich zunahm, in der unteren Körperhälfte aber nicht, was aber möglicherweise mit der Auswahl der Test-Übungen der ausgewerteten Studien zusammenhing und weiter unter-sucht werden sollte, so die Studienautoren. Außerdem lieferten die Untersuchungen nur wenige Daten zu Frauen, weshalb hier ebenfalls noch Forschungsbedarf besteht.

Quelle: Grgic J et al. Effects of caffeine intake on muscle strength and power: a systematic review and meta-analysis. J Int Soc Sports Nutr. 2018; 15:11
Foto: © Coloures-Pic – fotolia.com

Quellen

(1) Deutscher Schmerzkongress 2017. Neue Umfrage weist auf Informationsdefizite hin: Bei Kopfschmerzen und Migräne greifen viele Menschen zur Selbstmedikation. Pressemitteilung Oktober 2017, http://schmerzkongress2017.de/wp-content/uploads/sites/17/2017/08/Schmerzkongress-Kopfschmerzen-Presse-Sep-2017_F.pdf
(2) Diener HC et al. The fixed combination of acetylsalicylic acid, paracetamol and caffeine is more effective than single substances and dual combination for the treatment of headache: a multicentre, randomized, double-blind, single-dose, placebo-controlled parallel group study. Cephalalgia 2005; 25: 776–787
(3) Weiser T et al. Efficacy and safety of a fixed-dose combination of ibuprofen and caffeine in the management of moderate to severe dental pain after third molar extraction. Eur J Pain 2018; 22: 28–38; z. T. unveröffentlichte Daten aus internem Studienbericht
(4) Derry CJ et al. Caffeine as an analgesic adjuvant for acute pain in adults. Cochrane Database Syst Rev 2012; 3: CD009281
(5) Fried NT et al. The role of adenosine signaling in headache: a review. Brain Sci 2017; 7: 30
(6) Weiser T et al. Impact of fasted or fed conditions on pharmacokinetic (PK) profile of ibuprofen (IBU) from a fixed dose combination IBU/caffeine (400/100 mg; FDC) in comparison to 400 mg IBU as acid or lysinate:  Data from 2 single dose, randomized crossover studies in healthy subjects. Naunyn-Schmiedeb Arch Pharm 2018; 1 Supp: S43
(7) Lipton RB et al. Caffeine in the management of patients with headache. J Headache Pain 2017; 18: 107
(8) Petersen KU. Koffein in Schmerzmitteln: Mär oder Medizin? MMW Fortschr Med 2013; 155 Suppl 7: 109–114

Pflichttexte

Thomapyrin® CLASSIC Schmerztabletten. Wirkstoffe: Acetylsalicylsäure, Paracetamol und Coffein. Für Erwachsene und Jugendliche ab 12 Jahren bei akuten leichten bis mäßig starken Schmerzen. Thomapyrin® INTENSIV. Wirkstoffe: Acetylsalicylsäure, Paracetamol und Coffein. Für Erwachsene und Jugendliche ab 12 Jahren zur Behandlung von akuten Kopfschmerzen (z. B. Spannungskopfschmerzen) und Migräneanfällen (mit und ohne Aura). Schmerzmittel sollen längere Zeit oder in höheren Dosen nicht ohne Befragen des Arztes angewendet werden. Enthält Lactose. Zu Risiken und Nebenwirkungen lesen Sie die Packungsbeilage und fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker. Sanofi-Aventis Deutschland GmbH, 65926 Frankfurt am Main. Stand: Juni 2017 (SADE.THOM2.17.04.1044)

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