Die Inhaltsstoffe der Muttermilch tragen dazu bei, dass sich die körperlichen und geistigen Fähigkeiten eines Kindes entfalten können.

Weltstillwoche 2020: Stillen als Fundament für eine lebenslange Gesundheit

Stillen ist ein wichtiger Baustein für die lebenslange Gesundheit.(1,2) Die Inhaltsstoffe der Muttermilch tragen dazu bei, dass sich die körperlichen und geistigen Fähigkeiten eines Kindes entfalten können.(2,3)

Weitere News & Storys von Sanofi in Deutschland Seit fast 30 Jahren(4) organisiert The World Alliance for Breastfeeding Action (WABA) – in Kooperation mit der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und UNICEF* – die Weltstillwoche. Sie findet jedes Jahr vom 1. bis 7. August statt.(5) Ihr Ziel ist es, das Stillen zu schützen und zu fördern.(1)

Mutter und Kind profitieren

Stillen ist gleichermaßen wichtig für Mutter und Baby. Denn es unterstützt ihre gegenseitige emotionale Bindung und schafft die Voraussetzungen für eine gesunde Entwicklung des Kindes.(2) Auch auf die Gesundheit der Mütter kann das Stillen einen positiven Einfluss haben und beispielsweise das Risiko für bestimmte Erkrankungen wie Brustkrebs verringern.(2)

Stillen: 3-fach wichtig für die Gesundheit des Babys

Muttermilch enthält ausreichend Flüssigkeit und alle Nährstoffe, die ein Baby in den ersten 6 Monaten seines Lebens braucht, um sich gesund zu entwickeln – dazu 3 Beispiele:(2,3)

  • Stillen schützt vor vielen Infektionskrankheiten durch die in der Muttermilch enthaltenen Abwehrstoffe.
  • Es gibt Hinweise, dass das Stillen das Risiko für Übergewicht und Typ-2-Diabetes langfristig vermindert
  • Stillen fördert die kognitive (geistige) Entwicklung und Intelligenz.

Günstiger Einfluss auf die Intelligenz des Kindes

Stillen hat nicht nur positiven Einfluss auf die gesunde körperliche, sondern auch auf die geistige Entwicklung des Babys. Studien zufolge kann sich Stillen positiv auf die Entwicklung des Intelligenzquotienten, den Bildungsstand und sogar auf das spätere Einkommen des gestillten Kindes auswirken.(6,7)

Einfluss der Schilddrüse auf das Stillen

Die Schilddrüse und ihre Hormone wirken auf den Verlauf von Schwangerschaft und Stillzeit. Deshalb können Schilddrüsenerkrankungen zum einen die Stillfähigkeit beeinflussen. Zum anderen besteht die Gefahr, dass sie beispielsweise als postnatale Depression fehlinterpretiert werden, wenn sie in der Zeit nach der Geburt auftreten.(8) Stillende Frauen sollten daher regelmäßig ihre Schilddrüsenwerte kontrollieren lassen. Umgekehrt gilt es bei Schwierigkeiten mit dem Stillen, auch an die Schilddrüse zu denken:(9)

  • Bei einer Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose) kann es durch hormonelle Umstellungen zu einer unzureichenden Milchproduktion kommen. Häufige Anzeichen für eine Unterfunktion sind Müdigkeit, Gewichtszunahme und eine depressive Stimmung.
  • Eine Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose) kann das Stillen generell erschweren. Denn typische Symptome einer Überfunktion wie Schlaflosigkeit und innere Unruhe behindern längere Stillphasen oder häufiges Stillen.

Entgegen früherer Empfehlungen können heute neuere Schilddrüsenmedikamente auch während der Stillzeit eingenommen werden.(8,9)

Muttermilch: Welche Rolle spielt die Ernährung?

Während der Stillzeit ist die Muttermilch die einzige Nahrungsquelle für das Baby. Im Allgemeinen enthält sie alle Nährstoffe in ausreichender Menge, die für eine gesunde Entwicklung des Säuglings erforderlich sind. Bei einigen wenigen Inhaltsstoffen kommt es jedoch auf die Ernährung der Mutter an. Dazu zählen Eisen, Vitamin D und das Spurenelement Jod. Eine ausreichende Jodzufuhr ist unerlässlich für die Entwicklung der kindlichen Schilddrüse. Der Jodgehalt der Muttermilch hängt dabei sogar direkt von der Jodmenge ab, die die Mutter über die Ernährung zu sich nimmt.(3)

Stillen erhöht den Jodbedarf um 30 Prozent

Stillende Mütter müssen ihre Babys ausreichend mit Jod mitversorgen. Daher haben sie einen um 30 Prozent erhöhten Jodbedarf.(10)

Lebensphase Jodbedarf
[Mikrogramm pro Tag]
Erhöhter Bedarf [%]
im Vergleich zu Erwachsenen
Erwachsene bis 51 Jahre 200 (Basiswert)
Schwangere 230 + 15 %
Stillende Frauen 260 + 30 %

 

In Regionen mit Jodmangel wie in Deutschland(11) kann es zu einer unzureichenden Jodversorgung von stillenden Müttern und damit ihrer Babys kommen.(3,12) Umso wichtiger ist es deshalb, während der Stillzeit bewusst für ausreichend Jod zu sorgen – beispielsweise durch

  • die Verwendung von Jodsalz,
  • eine jodhaltige Ernährung mit Milchprodukten und Seefisch
  • mit Jodtabletten.

Hierzulande wird stillenden Müttern die Einnahme von täglich 100 µg bis 200 µg Jod in Tablettenform empfohlen.(3,12,13)

Vegane und vegetarische Ernährung: Was gilt beim Stillen?

Für vegetarisch oder vegan lebende Mütter stellt sich die Frage, wie sie den um 30 Prozent erhöhten Jodbedarf während der Stillzeit abdecken können. Eine Ernährung ohne tierische Produkte erhöht das Risiko von Mangelerscheinungen sowohl für die Mutter als auch für das Baby. In diesem Fall empfehlen Experten, die ergänzende Einnahme von Mikronährstoffen wie Vitamin B12, Zink und Jod sowie eine umfassende Ernährungsberatung. Jod ist zum Beispiel vor allem in Fleisch, Milchprodukten und Seefisch enthalten. Pflanzliche Lebensmittel tragen nur mit einem Anteil von 3 Prozent zur Jodversorgung bei und können sie sogar beeinträchtigen. Denn einige Gemüsearten, Hülsenfrüchte und Nüsse enthalten so genannte Goitrogene. Dabei handelt es sich um Stoffe, die die Jodaufnahme in der Schilddrüse hemmen. Daher sollten stillende Frauen, die sich vegetarisch oder vegan ernähren, das Risiko für einen Jodmangel durch die Einnahme von Jodtabletten verringern und ihre Schilddrüsenwerte ärztlich überprüfen lassen.(3,13)

Jod: Wichtig für die Gehirnentwicklung des Babys

Jod ist wichtig für die Gehirnentwicklung des BabysBereits in der Schwangerschaft spielt Jod eine entscheidende Rolle bei der Intelligenz- und Sprachentwicklung des Babys.(14,15) Nach Schätzungen von Experten des europäischen Jodmangel-Präventionsprogramms EUthyroid können die Hälfte aller neugeborenen Kinder in Europa ihre geistigen Fähigkeiten nicht voll entfalten, weil sie zu wenig Jod erhalten haben.(16) Dahinter steht die Funktionsweise der Schilddrüse. Sie ist auf Jod angewiesen, um genügend Hormone herzustellen. Das Schilddrüsenhormon Thyroxin (T4) ist mit verantwortlich, dass sich beim Säugling die Nerven- und Gewebezellen im Gehirn vollständig entwickeln.(9,12,14)

So viel Jod brauchen Babys und Kleinkinder

Babys haben eine noch sehr kleine Schilddrüse. Deshalb können sie weniger Jod speichern, was die Gefahr eine Unterversorgung erhöht. Ihr Jodbedarf hängt vom Alter ab:(12)

Alter

Empfohlene Jodzufuhr
[Mikrogramm pro Tag]

Bis 4 Monate

40

Bis 12 Monate

80

Bis 4 Jahre

100

 

Kleines Organ mit großer Wirkung – die Schilddrüse

Kleines Organ mit großer Wirkung – die Schilddrüse

Kaum größer als eine Walnuss, aber enorm wichtig für unsere Gesundheit – die Schilddrüse. Sie ist sogar lebenswichtig. Denn sie produziert Hormone, die viele wichtige Körperfunktionen und den Stoffwechsel steuern. Bei Störungen der Schilddrüse zeigen sich unterschiedliche Symptome wie zum Beispiel Leistungs- oder Konzentrationsabfall, Unruhe, Gewichtszunahme oder Schlafprobleme. Diese können das Leben der Betroffenen stark beeinträchtigen.

*UNICEF: Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen

Quellen
1. Weltgesundheitsorganisation, World Breastfeeding Week 2019, unter: https://www.who.int/news-room/events/detail/2019/08/01/default-calendar/world-breastfeeding-week-2019 (abgerufen am 05.07.2020)
2. Stillen - Fundament für eine nachhaltige Entwicklung, Pressemitteilung der Nationalen Stillkommission am Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR), 30.09.2016, unter: https://www.bfr.bund.de/de/presseinformation/2016/39/stillen___fundament_fuer_eine_nachhaltige_entwicklung-198725.html (abgerufen am 05.07.2020)
3. Karall D et al., Stillen und Stillberatung, Monatsschr Kinderheilkd 2020,168:547–560, unter: https://link.springer.com/content/pdf/10.1007/s00112-020-00911-1.pdf (abgerufen am 05.07.2020)
4. Our History, The World Alliance for Breastfeeding Action (WABA), unter: https://waba.org.my/ourhistory/ (abgerufen am 05.07.2020)
5. World Breastfeeding Week, unter: https://worldbreastfeedingweek.org/ (abgerufen am 05.07.2020)
6. Victora CG et al. Association between breastfeeding and intelligence, educational attainment, and income at 30 years of age: a prospective birth cohort study from Brazil. Lancet Glob Health. 2015;3(4):e199-e205, unter: https://www.thelancet.com/journals/langlo/article/PIIS2214-109X(15)70002-1/fulltext (abgerufen am 08.07.2020)
7. Straub N et al. Economic impact of breast-feeding-associated improvements of childhood cognitive development, based on data from the ALSPAC. Br J Nutr. 2019;122(s1):S16-S21, unter: https://www.cambridge.org/core/journals/british-journal-of-nutrition/article/economic-impact-of-breastfeedingassociated-improvements-of-childhood-cognitive-development-based-on-data-from-the-alspac/28B08119F7691429030CFBF09A5F6A6B (abgerufen am 08.07.2020)
8. Speller E, Brodribb W. Breastfeeding and thyroid disease: a literature review. Breastfeed Rev. 2012;20(2):41-47, unter: https://search.informit.com.au/documentSummary;dn=659261398291384;res=IELHEA;type=pdf (abgerufen am 08.07.2020)
9. von der Ohe G, Schilddrüsenerkrankungen in Schwangerschaft und Stillzeit, Europäisches Institut für Stillen und Laktation, unter: https://www.stillen-institut.com/media/Schilddruese-Erkrankungen-der-Mutter-sicherung.pdf  (abgerufen am 05.07.2020)
10. Empfehlungen zur Jodversorgung, Arbeitskreis Jodmangel e.V., unter: https://jodmangel.de/ausreichende-jodversorgung/empfehlungen/ (abgerufen am 05.07.2020)
11. Fessler B, Deutschland − ein Jodmangelland, Pädiatrie (2019) 31: 62. unter: https://link.springer.com/content/pdf/10.1007%2Fs15014-019-1780-8.pdf (abgerufen am 05.07.2020)
12. Schon vor der Geburt bis zu der Pubertät, Pressemitteilung, Arbeitskreis Jodmangel, unter: https://jodmangel.de/2017/schon-vor-der-geburt-bis-zu-der-pubertaet/ (abgerufen am 05.07.2020)
13. Jodversorgung bei Vegetariern und Veganern, Arbeitskreis Jodmangel e.V., unter https://jodmangel.de/ausreichende-jodversorgung/vegetarier-und-veganer/ (abgerufen am 05.07.2020)
14. Jod in der Schwangerschaft bedeutet Schutz für das Gehirn des Babys, Pressemitteilung des Berufsverbands der Frauenärzte e.V., 29.06.2018, unter: https://www.bvf.de/aktuelles/pressemitteilungen/meldung/news/jod-in-der-schwangerschaft-bedeutet-schutz-fuer-das-gehirn-des-babys/ (abgerufen am 05.07.2020)
15. Levie D et al., Thyroid Function in Early Pregnancy, Child IQ, and Autistic Traits: A Meta-Analysis of Individual Participant Data, J Clin Endocrinol Metab. 2018 Aug 1;103(8):2967-2979, unter: https://academic.oup.com/jcem/article/103/8/2967/4994588 (abgerufen am 05.07.2020)
16. Wissenschaftler warnen: weitverbreiteter Jodmangel mindert die Intelligenz bei Kindern! AKJ-Beiratsmitglied an „Krakow Declaration on Iodine” maßgeblich beteiligt, Pressemitteilung 2018, Arbeitskreis Jodmangel, unter: http://jodmangel.de/2018/wissenschaftler-warnen-weitverbreiteter-jodmangel-mindert-die-intelligenz-bei-kindern-akj-beiratsmitglied-an-krakow-declaration-on-iodine-massgeblich-beteiligt/ (abgerufen am 05.07.2020)